Der Standort

Das Mercateum steht an historischer Stelle: dort, wo über die jahrtausendealte Verkehrsader über die Alpen nach Straße von Güter aus Ostindien wie Westindien  aus dem Mittelmeerraum in das Herz Europas gelangten.

Als die ersten Handelsgüter aus Indien – allem voran Pfeffer – vor nahezu 2000 Jahren über die damals nagelneue Fernstraßen­verbindung Via Claudia Augusta dass Lechfeld transportiert wurden, war die Welt beileibe keine Scheibe mehr. Ein unbestrittenes Zeugnis darüber  legt die römische Straßenkarte ab, in der das Lechfeld in ein eurasisches Fernhandelsnetz eingebunden ist, dass die Atlantikküste mit dem Golf von Bengalen verbindet. Von Konstantinopel führt der Weg nach England unweigerlich über die heutige Königsbrunner Flur – ebenso die kürzeste Verbindung von Rom in die germanischen Provinzen.

Castorius Karte

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches wurden bereits ab dem frühen Mittelalter Pfeffer und andere Orientwaren wieder über die alte Römerstraße transportiert. Dann belebt der aufblühende Handel mit Venedig zunehmend den Straßenverkehr über das Lechfeld. Die einstige Römerstraße steigt nun zur Straße nach Italien auf. In der Verlängerung führt sie nun von Jütland in Dänemark  in den norditalienischen Wirtschaftsraum Genua – Mailand – Verona – Venedig und wird im 15. Jahrhundert  zur verkehrsreichsten Wirtschaftsader Europas – spätestens, nachdem der Brennerpass für große Fuhrwerke ausgebaut worden ist. Das zeigt auch das Faksimile einer 2008 im Privatbesitz entdeckten historischen Kopie der ersten Handelskarte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation von 1501.

Als dann im 16. Jahrhundert Augsburger und Nürnberger Kaufleute eigene Handelsflotten ausrüsten, und „Zimt, Gewürznelken, Pfeffer, Ingwer, Muskatnuß, Moschus, Benzoeharz, Weihrauch, alle Arten von Spezereien und Wohlgerüchen, Edelsteinen, Perlen und vieles andere Wertvolle“ von der Indischen Westküste nach Cadiz, Sevilla und Lissabon gelangen, schmälert das den Verkehrsfluss über das Lechfeld nicht. Denn die Nachfrage nach Orientwaren steigt und Venedig und Genua werden wieder attraktiver für den Transithandel.  Und so gelangen über die heutige Königsbrunner Flur Waren aus Amerika, Afrika und Asien , die von schwäbischen und fränkischen Kaufleuten von den Märkten der global gewordenen Welt nach Europa gesandt worden sind.